Letztes Jahr habe ich mit einem nicht ganz ernst gemeinten Video für Furore gesorgt. Es ging damals über den Weg von der Nordbahntrasse zum frisch eröffneten Möbelhaus im Wuppertaler Osten.

Natürlich kann man quer durch den Wald fahren, bzw. schieben, oder direkt die Wittener Straße nehmen. Beide Optionen finde ich allerdings wenig befriedigend. Deshalb habe ich mir erneut die Frage gestellt: Wie kommt man von der Nordbahntrasse am besten zur Wuppertaler IKEA-Filiale?

Für mich kommen ingesamt drei Routen in Frage:

  1. Die direkte Route – Der Nordbahntrasse bis zur kleinen Brücke zwischen dem Haltepunkt Nächstebreck und dem Tunnel Schee folgen. Dort von der Trasse auf die Straße Holtkamp wechseln und dieser den Berg hoch folgen. An der Kreuzung zur Straße Mollenkotten nach rechts abbiegen und dann weiter bis zum „Turbokreisel“ fahren. Dort rechts in die Schmiedestraße einbiegen und bis zum Möbelhaus hinunterfahren. Die Vorteile der Strecke liegen auf der Hand: Sie ist direkt und im Steigungsteil sehr verkehrsarm. Der Nachteil: Die Strecke ist ziemlich steil. Ich empfehle diese Route nur sportlichen oder elektrisch unterstützten Radfahrerinnen und Radfahrer.
  2. Die Golfplatz-Route – Die Golfplatzroute führt – wer hätte das gedacht – über den an die Nordbahntrasse angrenzenden Golfplatz. Von Wuppertal aus fährt man durch den Tunnel Schee und weiter bis zur ersten möglichen Ausfahrt auf der linken Seite. Von aus folgt man dem Radwegenetz NRW über den Golfplatz. An der Kreuzung zur Straße Mollenkotten nach links abbiegen und dann weiter bis zum „Turbokreisel“ fahren. Die Strecke weist, da sie länger ist, eine geringere Steigung auf. Der Anstieg kam mir persönlich etwas leichter vor, als über den Holtkamp. Der Untergrund besteht allerdings teilweise aus Rasenpflaster und lässt sich dementsprechend schlecht fahren.
  3. Die Talradler.de-Empfehlung – Diese Route ist die längste der drei vorgestellten Strecken, aber diejenige mit den besten Kompromissen aus stärkeren Steigungen, leichteren Steigungen und flachen Stücken. Von Wuppertal aus fährt man durch den Tunnel Schee, weiter bis zum ersten Trassenzugang auf der rechten Seite. Dann folgt man dem Kuxloher Weg bis zur Straße Silberberg. Der Silberberg mündet in die Quellenburgstraße, die wir nur für wenige Meter nutzen. Von dort aus biegt man in die Weststraße ab, der bis zum Mündung in die Schmiedestraße gefolgt wird. Auf der Schmiedestraße fährt man für wenige Meter ohne Radverkehrsanlage im Mischverkehr mit, danach stehen Schutzstreifen zur Verfügung. Bis zur Schmiedstaße ist die Strecke sehr verkehrsarm. Geradeaus geht es über den Turbokreisel, bzw. über die benutzungspflichtigen Radwege weiter in Richtung Möbelhaus. Unterm Strich für mich zwar nicht die schnellste, aber von der Steigung her angenehmste Route. Übrigens: Radfahrende, denen einen höhere Verkehrsbelastung egal ist, können sich den Schlenker über die Weststraße auch sparen.

Alle drei Routen sind in dieser Karte zu finden:

Während die eine Hälfte vom Team Fienchen am Sonntag bei Rund um Köln an den Start ging, zog es die andere Hälfte nach Nijmegen. Dort fand das International Cargo Bike Festival 2017 statt. Auf dem Festival gab es viel Neues zu entdecken. Zahlreiche Vorträge, Möglichkeiten zum Austausch und die lockere und offene Atmosphäre rundeten dieses charmante Festival ab. Ebenfalls lohnenswert: Einfach mal eine Runde durch Nijmegen fahren. Infrastruktur, die wenige Kilometer östlich kaum vorstellbar wäre, gibt es hier flächendeckend. Hier ein paar Eindrücke des ersten Festivaltags:

Im Frühjahr 2015 hatte die IG Fahrradstadt Wuppertal in der Utopiastadt drei Projekte vorgestellt: Den NBTX – Der TrassenExpress, den BikeCounter und die Urban-Bike-Map. Während zwei diese Projekte bereits in Umsetzung sind, kam die Urban-Bike-Map nicht über den Status eines Prototyps hinaus. Grund waren hier, neben den Druckkosten, auch die Kosten für das Design und die Recherche und Überprüfung der Routen. Über das Bürgerbudget hatte sich nun eine Chance zur Realisierung dieses tollen Projektes ergeben. Nachdem ich das Projekt für die Fahrradstadt Wuppertal angemeldet hatte, bestand das Projekt den Anmeldecheck und kam, als fünft-bestes bewertete Projekt auf Anhieb in die Top 100. Diese Top 100 wurde dann am 7. Juni 2017, beim sich anschließenden Gemeinwohlcheck, auf eine Top 30 reduziert. Die Auswahl entstand, im Rahmen einer Bürgerwerkstatt wie folgt:

In 21 Kleingruppen diskutierten Wuppertalerinnen und Wuppertalern vier Runden jeweils fünf Ideen. Die Zusammenstellung der fünf Ideen für jede Runde erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Nach jeder Runde wurden die Ideen mit 1-5 Punkten bewertet. Die Idee mit dem höchsten Gemeinwohl für Wuppertal hat die Punktzahl 5 erhalten, die mit dem geringsten die Punktzahl 1. So wurde jede Idee vier Mal bewertet. Die maximale Punktzahl, die eine Idee daher im Laufe der Bürgerwerkstatt erhalten konnte, war 20. (Stadt Wuppertal)

Das Arbeiten in den Kleingruppen war überraschend produktiv. Die zufällig entstanden Gruppen diskutierten kontrovers und engagiert und kamen schließlich zu einem Konsens hinsichtlich der Punktevergabe. Während der vier Runden wurden die Punkte der jeweiligen Vorrunde bereits ausgewertet und in eine Tabelle übertragen, sodass bereits kurz nach Abschluss der Gruppenphase ein Endergebnis vorlag, in dem überraschend viele Projekte mit Fahrrad- und Fussgängerbezug enthalten waren:

  • Sambatrassen Anschluss (Platz 1)
  • Autofreier Laurentiusplatz (Platz 6)
  • Urban Bike Map Wuppertal (Platz 8)
  • Fahrradgaragen für den Ölberg (Platz 11)
  • Fahrradschuppen am Trassenaufgang Olgastraße (Platz 20)
  • Fahrradständer an den Trassenzugängen (Platz 24)
  • Autofreie Luisenstraße (Platz 26)
  • Fahrradverleih am Hbf (Platz 29)

Besonders freut mich natürlich das Abschneiden unseres Projektes. Mit dem achten Platz hat die Urban-Bike-Map eine sehr gute Bewertung erzielt. Nun gehen die Vorschläge zur detaillierten Prüfung der Kosten und Umsetzbarkeit in die städtische Kämmerei.


Die Juni-Fahrt der Wuppertaler Critical Mass begann mit einem Kuriosum. Während sich ein Teil der Masse pünktlich um 19:15 auf den Weg nach Oberbarmen machte, blieb ein Teil am Schwebebahnhof Kluse zurück, um das Ende des Schauers abzuwarten. Nach einer guten Viertelstunde brach dann auch dieser Teil auf, sodass nun zwei Critical Masses durch Wuppertal fuhren. Am Haus der Jugend fanden beide Stränge wieder zusammen und fuhren nun gemeinsam zum Loh und über den neuen Döppersberg. Mit rund 540 Teilnehmern war die Mass außerordentlich gut besucht. Vielen Dank an Joachim, der von seinem Tallbike aus den ersten Teil der Critical Mass begleitet und eingefangen hat.

In der Stadtgrößenklasse „mehr als 200.000 Einwohner“ landet die Bergische Metropole in diesem Jahr auf Platz 16. Betrachtet man ausschließlich NRW, liegen nur Münster und Oberhausen vor Wuppertal. Also: Vom Schlusslicht in die Spitzengruppe: Die Nordbahntrasse macht es möglich – So könnte man verkürzt das Ergebnis des ADFC-Klimatests zusammenfassen. Doch das wäre zu kurz gegriffen: In Wuppertal kann man eigentlich ganz gut mit dem Fahrrad mobil sein, auch abseits der Nordbahntrasse. Ein Großteil des Stadtgebiets besteht schon heute aus Tempo-30-Zonen, mehr als die Hälfte aller Einbahnstraßen sind für den Radverkehr freigegeben, bei Fahrbahnsanierungen wird inzwischen auch an den Radverkehr gedacht.

Auch die Zivilgesellschaft in Wuppertal zeigt reges Interesse in Sachen Radverkehr: Die Wuppertaler Critical Mass feiert in diesen Tagen ihr fünf-jähriges Bestehen. Aus einer kleinen Gruppe von knapp 30 Radfahrenden, ist eine kritische Masse von bis zu 700 Menschen geworden, das freie Lastenrad „Fienchen“ ist eines der meist-genutzten Lastenräder Deutschlands und auch der große Andrang bei der Bürgerveranstaltung zum neuen Radverkehrskonzept sprechen eine deutliche Sprache.

Andererseits: An neuralgischen Punkten wird noch immer dem Kraftverkehr der Vortritt gelassen, Freigaben von Busspuren dauern ewig (An der Gathe dauert der Freigabeprozess nun schon über vier Jahre) und zentrale neue Infrastruktur, wie die am neuen Döppersberg, wirken wie ein Ausflug in längst vergangene Zeiten.

Davon ab: Die Ergebnisse des Fahrradklimatests geben nur eine Stimmung wieder (und zwar die Stimmung der Teilnehmer) und sind somit nur bedingt vergleichbar. Gerade das Ranking der Städte sehe ich kritisch. Was man allerdings attestieren kann: Es bewegt sich was in Wuppertal.

Wie also mit diesem Ergebnis umgehen?

  1. Es gibt in Wuppertal noch viel zu tun, die Stadt täte gut daran, ihre Bestrebungen in Richtung fahrradfreundliche Stadt nicht nur fortzusetzen, sondern auch zu intensivieren. Dazu gehört auch ein mutiges und umfassendes Radverkehrskonzept, dass nicht nur erstellt, sondern auch (kurz- und mittelfristig) umgesetzt werden muss.
  2. Die Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger sollten das Ergebnis zum Anlass nehmen, die „Berge im Kopf“ endlich abzubauen. In Wuppertal kann man mit dem Rad fahren: Nicht „nur zum Spass“, sondern auch als Alltagsmobilität. Die Nordbahntrasse verbindet z.B. das Wuppertaler Rathaus, das einzige städtische Freibad und zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten mit dicht-besiedelten Wohngebieten, aber auch auf den Südhöhen und in den Quartieren gibt es attraktive Radverbindungen. Diese gilt es, z.B. durch eine Umweltspur auf der B7, zu einem attraktiven Netz zusammenzuschließen.
  3. Die Kommunalpolitik sollte sich endlich von ihre ideologischen Grabenspielchen verabschieden: Die, oftmals mit fadenscheinigen Argumenten, verwehrte Öffnung von Busspuren und Einbahnstraßen ärgert inzwischen nicht mehr nur den politischen Gegner, sondern ganz konkret Bürgerinnen und Bürger quer durch alle Parteizugehörigkeiten.

Unterem Strich bedeutet das Ergebnis des ADFC-Klimatests, dass eine „Fahrradstadt Wuppertal“ nicht so weit entfernt ist, wie manche Amtsträger und Vertreter der Zivilgesellschaft uns glauben machen wollen. Wuppertal steigt auf’s Rad. Das sieht man an allen Winkeln der Stadt, vor allem aber entlang der Talachse. Dieses Momentum gilt es, durch gezielte Förderung, aufzufangen und dauerhaft zu binden: Denn von einem lebenswerten und dynamischen Wuppertal profitieren alle!

Letzten Sonntag war ich mit Fienchen auf der ADFC-NRW-Sternfahrt in Düsseldorf. Eine Woche vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wollte der ADFC NRW nochmal ein großes Zeichen Richtung Landespolitik senden. Mit etwas mehr als 3.000 Radfahrenden war die Sternfahrt allerdings nicht so sehr besucht, wie Auflagen in den letzten Jahren. Von Wuppertal aus starteten rund 90 Radfahrende in Richtung Landeshauptstadt. Unterwegs stoppte der Zuläufer in Haan und Unterfeldhaus. In Düsseldorf angekommen, startete nach einer Kundgebung am Rheinufer, die große Abschlussrunde über zwei Rheinbrücken und durch den Rheinufertunnel. Die ganze Sache war, wie immer, ein großer Spass, wie ihr im Video hier sehen könnt:

Gute Nachrichten aus dem Ost-Teil der Stadt: Seit gestern ist der Brücken-Ersatzneubau an der Max-Planck-Straße freigegeben. Im August wurde die alte Brücke gesperrt und abgerissen, der Verkehr wurde über eine Ersatzbrücke umgeleitet. Nun steht zwischen dem Viadukt an der Wichlinghauser Straße und dem „Kreisverkehr“ am Carl Duisberg Gymnasium wieder die gesamte Trassenbreite von 6 Metern (2 Meter für den Fussverkehr und vier Meter für den Radverkehr) zur Verfügung.

Seit Jahren besuche ich regelmässig andere Critical-Mass-Fahrten im Rhein und Ruhrgebiet. Gestern war ich zu Gast in Düsseldorf. Am Treffpunkt der Düsseldorfer Critical Mass, dem Fürstenplatz, starteten 92 Radfahrende zur einer gemütlichen Runde durch die Stadt. Die Route führte zunächst zum Apolloplatz und am Fahradzähler am Rheinufer vorbei. Dort jazzte man dann, durch mehrere Vorbeitfahrten, den Zählerstand hoch. Dann ging es über die Oberkassler Brücke über einmal den Rhein und wieder zurück in Richtung Innenstadt.

Ich bin noch immer ganz begeistert von der Critical Mass am Freitag. Mein Video braucht allerdings noch ein bisschen Zeit, aber um die Wartezeit zu versüßen, gibt es hier schonmal einen Ausschnitt von der Fahrt über den neuen Döppersberg.

Auch die Printausgabe der WZ Wuppertal berichtet heute über die Fahrt vom Freitag. Heute Abend gibt es einen Bericht in der WDR Lokalzeit Bergisches Land und auf der Facebook-Seite der Critical Mass gibt es viele tolle Bilder anzuschauen.

Update: In der Lokalzeit am Freitag gab es einen wirklich guten Beitrag über den fünften Geburtstag der Critical Mass Wuppertal. Allerdings möchte ich folgendes richtig stellen: Ich habe die Critical Mass nicht nach Wuppertal geholt, sondern fahre lediglich seit Anfang an mit.