Neue Radverkehrsführung am Rutenbecker Weg

In der letzten Woche wurde am Rutenbecker Weg die neue Radverkehrsführung umgesetzt. Bereits im Juni 2015 wurden diese Änderungen im Verkehrsausschuss beschlossen. Im Zuge der Umsetzung wurde der Radweg auf dem Rutenbecker Weg zwischen Sonnborner Straße und Sonnborner Ufer entfernt. Der Verkehrsausschuss hatte sich mehrheitlich gegen die gegenläufige Öffnung der letzten Meter dieser Einbahnstraße ausgesprochen. So wurde aus der durchlässigen Sackgasse für Fußgänger und Radfahrer, eine durchlässige Sackgasse für Fußgänger. Allerdings: Auch benutzungspflichte Radwege wurden aufgehoben und ein neuer Radweg auf dem Sonnborner Ufer angelegt.
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Ich habe ja hier Blog bereits mehrfach über den Rutenbecker Weg berichtet: Da die Durchfahrt (schwarz) als zu gefährlich angesehen wurde, prüfte die Stadt drei Alternativen:

Führung über den Aldi-Platz (grün)

Nach weiteren verwaltungsinternen Recherchen ist eine Führung des Radverkehrs über den Discounter-Parkplatz nicht möglich, da eine Nutzung des Parkplatzes durch Rad Fahrende seinerzeit nicht im Baulastvertrag aufgenommen wurde. (Quelle: RIS)

Führung über den Wendehammer (blau)

Eine Führung über den Gehweg Richtung Westen bis zur Rampe, die in den Wendehammer der Sonnborner Straße mündet ist nicht möglich. Die zu geringe Gehwegbreite (< 2,50m), die nicht ausreichende Geländerhöhe und die nicht gegebene Einfädelungsmöglichkeit für die aus Süden kommenden Rad Fahrenden von der Fahrbahn auf den Gehweg lassen keine verkehrssichere Freigabe des Gehweges für den Radverkehr zu. (Quelle: RIS)

Führung über Sonnborner Ufer und Parkplatz (rot)

Die aus Richtung Süden kommende Rad Fahrenden werden auf der Fahrbahn von der Brücke Rutenbecker Weg rechts und unmittelbar nach der Fußgängerfurt nach links auf den P&R-Platz gewiesen. In Folge wird die Verbindungsstraße, zwischen P&R-Platz und Sonnborner Straße, die mit dem Zeichen 267 (Verbot der Einfahrt) beschildert ist, für den Radverkehr freigegeben. (Quelle: RIS)

Schlussendlich entschieden sich Verwaltung und die Mehrheit des Verkehrsausschusses für die letzte Variante (rot), die nun umgesetzt wurde.

Rutenbecker Weg

Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht das ganze dann so aus: Vom Rutenbecker Weg fährt man rechts ab auf das Sonnborner Ufer. Auf dieser breiten Hauptverkehrsstraße sollte man sich sofort auf der linken Fahrspur einordnen, von dort aus gibt es eine separate Linksabbiegerspur zum Parkplatz. Auf dem Parkplatz müssen eine Recycling-Station und ein parkende Autos umfahren werden, um zur Stichstraße zu gelangen. In der Straße befindet sich eine DHL-Packstation, das bedeutet es gibt hier viel Durchgangsverkehr und zahlreiche (wilde) Parkvorgänge. Hier ein Video von der gesamten Umfahrung:

Wie man sieht, keine optimale Lösung, aber immerhin eine legale Möglichkeit vom Rutenbecker Weg zur Sonnborner Straße zu kommen. Subjektiv fand ich diese „Umleitung“ nicht nur deutlich aufwändiger, sondern subjektiv auch deutlich heikler, als die Fahrt durch den Rutenbecker Weg. Was in dem Video noch nicht zu sehen ist: In der Stichstraße wird noch ein gesonderter Bereich für Fussgänger abmarkiert.

Jetzt die gute Nachricht: Auf dem Sonnborner Ufer ist zwischen der Kreuzung Sonnborner Ufer / Sonnborner Straße und der Zufahrt zum Parkplatz am Sportplatz der Parkstreifen in einen Radweg umgewandelt worden. Hier müssen sich nun Fussgänger und Radfahrer nicht mehr den schmalen Gehweg teilen. Auch in der Gegenrichtung ist die Benutzungspflicht für den engen Bordstein aufgehoben worden. Gerade im Bereich der Bushaltestelle kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrenden und warteten Fussgängern. IMG_3479

Bei meiner Testfahrt in der letzten Woche war der Weg leider an einigen Stellen verschmutzt, aber ansonsten gut befahrbar. Als problematisch sehe ich den Einfädelungsbereich am Ende des Radweges. Bei meinen Testfahrten dort gab es allerdings immer wieder einen Rückstau von der folgenden Ampel. Von daher konnte ich mich immer in den (zäh)fließenden Verkehr einsortieren. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht. Wünschenswert wäre nun die Fortführung des Radweges bis zur neuen Radinfrastruktur unter der Schwebebahnhaltestelle Hammerstein.

Noch Fragen? Alle Dokumente, Schleppkurvenberechnungen und die Ergebnisse der Fahrversuche sind auch im Ratsinformationssystem hinterlegt.

12 Kommentare

  1. Zwar wurde jetzt endlich mal Klarheit geschaffen, denn die bisherige Situation auf einem tollen Radstreifen zu fahren und dann an einem „Durchfahrt verboten“ Schild zu enden war mehr als fragwürdig. Sicher stellt die Hausdurchfahrt eine Engstelle dar, aber das diese derart gefährlich sein soll, konnte ich nicht feststellen. Das hat immer mit gegenseitiger Rücksichtnahme funktioniert.
    Die neue Wegeführung ist im Sinne von Radverkehrsförderung und Sicherheit im Straßenverkehr ja wohl der absolute Witz und auch von der Streckenführung nicht vermittelbar.
    Schade, dass hier eine im Ursprung gute Idee durch politisches Unwissen kaputt diskutiert wurde.

    1. Kann ich mich nur anschließen. Die vermeintlich „sichere“ Umleitung führt über die 2. Spur einer stark befahrenen Hauptstraße und durch einen unübersichtliche Stichstraße mit vielen Parkvorgängen. Stichwort: Packstation.

      1. Das sind dann aber allgemeine Gefahren des Straßenverkehrs und keine situationsspezifischen (zusätzlichen) und damit ist die Verwaltung auf der sicheren Seite, falls was passiert.

  2. Was macht denn VZ 239 bei ca. 00:57 im ersten Video da? So wie es jetzt ist, darf da gar keiner fahren …

    Beim zweiten Video wird man angesichts der Breite und der deutlichen Pikogramme ja richtig neidisch, auch wenn das wieder mal nach Rad-Infrastruktur, wo ohne große Konfikte Platz ist aussieht. Sonst würde der ja nicht plötzlich enden.

    @Fabian: So ist das aber haftungsrechtlich sicher für die Verwaltung, auch wenn viele Radfahrer*innen sich nicht trauen werden, auf die Linksabbiegerspur zu fahren. Die Frage ist also, wann und wo 70% der Radfahrer*innen gegen die Verkehrsregeln verstoßen, was sie dann aber haftungsrechtlich selbst verantworten müssen. In Zeiten, in denen wegen den absurdesten Sachen geklagt wird, muss man verstehen, dass die Verwaltung dazu übergeht, alles rechtlich korrekt zu machen, was langfristig aber deutlich Verbesserungen bringen dürfte, auch wenn das hier zu doofen Ergebnissen führt.

    1. Stimmt. Scheinbar ist das Schild für den Fussweg schon da, aber die Bodenmarkierung, der den Gehweg von der Fahrbahn trennt, fehlt noch. Ist mir auch erst durch einen Kommentar bei Twitter aufgefallen. Die Bodenmarkierung wird die Straße noch etwas enger machen, aber da es sich „nur“ um eine Markierung handelt, werden sicherlich viele Radfahrende dort auf den Gehweg genötigt. Die Parkplätze auf der Seite der Packstation (Im Video links) werden erhalten bleiben.

      Zum zweiten Video: Richtig gedeutet! Dort ist richtig viel Platz und man hat einfach aus den Parkplätzen, die kaum genutzt werden, einen Radweg gemacht. Trotzdem ein guter Schritt. Jetzt muss „nur noch“ die Verkehrsüberwachung dort funktionieren, denn leider wird Radweg von einigen wenigen Motoristen zum Parken verwendet.

      1. Zum zweiten Video: Ohne ein VZ 237 ist dies ein Seitenstreifen. Als Radfahrer habe ich also die Wahl, ob ich auf der Fahrbahn oder auf dem Seitenstreifen fahren möchte. Auch ist das Parken auf dem Seitenstreifen erlaubt.

        1. Der Weg ist als Radweg zu erkennen und somit ein „sonstiger Radweg“, der zwar nicht benutzt muss, aber auch nicht beparkt werden darf.

        2. Keine Ahnung, wie du darauf kommst, dass das ein sonstiger Radweg sein soll.
          Ich erkenne hier ein VZ 295. Ohne ein Blechschild ist dieser Weg also ein Seitenstreifen. Da können noch so schöne Malereien auf dem Boden aufgepinselt werden.

        3. Nein Martin, ist nicht besser verständlich und auch nicht zutreffen. Die Stadt hat hier explizit einen Radweg angelegt, es fehlt aber (scheinbar) das Schild.

        4. Da nirgendswo legal definiert ist, woran man einen nicht benutzungspflichtigen Radweg zweifelsfrei erkennt (in Frankreich nutzt man z. b. wie in anderen Ländern eckige statt der runden Schilder), muss man immer ein wenig deuten. Fahrrad-Piktogramme würde ich da als eindeutiges Indiz nutzen. Der Seitenstreifen im verlinkten Artikel wäre zum Parken eh zu schmal.

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