Noch im letzten Jahr war ich zu Gast in der WDR 5-Sendung Scala, in der Rubrik „Geschmackssachen“ sprach ich über Fahrradblogs, Cycle Chic und Critical Mass. Zu hören ist die Sendung hier, der Beitrag ist ab Minute 39 zu hören. Ferner wünsche ich natürlich allen Lesern dieses Blogs ein frohes 2012, mit der Hoffnung auf ein paar Kilometer Nordbahntrasse.

Der bergische Sommer war dieses Jahr nicht so berühmt, wie dieses Video aus dem Juli 2011 beweist. Während der Abfahrt von Heiligenhaus nach Flandersbach werde ich (und eine weitere Gruppe Radfahrer) von einem Gewitter überrascht. Nach der Abfahrt wurde der Niederschlag noch stärker, also stellte ich mich unter einer Brücke am Rande der Kalkwerke unter. Nach ein paar Minuten kam ein Junge auf einen Fahrrad vorbei und frage mich, ob ich kein Auto haben würde. Ich sagte ihm, das ich ein Auto hätte (Naja … ich kann zumindest ein Auto mitbenutzen), daraufhin fragte er mich warum ich mit dem Fahrrad fahren würde, wenn ich doch ein Auto hätte. Ich war irritiert. Ich versuchte ihm dann klar zu machen, dass Fahrradfahren gesund sei und Spass machen würde. Freilich war meine Argumentationsgrundlage bei den aktuellen Wetterbedingungen eher mau.

Diese kleine Anekdote zeigt vielleicht eines der Probleme mit denen wir es bei der Mobilitätswende zu tun haben: Das Auto wird immer noch als Fortbewegungsmittel Nummer Eins verstanden und propagiert. Das Fahrrad hingegen ist noch immer eher ein Sportgerät oder ein Freizeitverkehrsmittel.

In seiner Kolumne „Auf ein Wort“ hat sich Oberbürgermeister Peter Jung klar zum Bau der Nordbahntrasse bekannt. Hintergrund ist der aktuelle Streit um die Finanzierung und den schleppenden Bau an einem der größten Städtebauprojekte der Stadt Wuppertal. Im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen informierte Projektleiter Rainer Widmann über den aktuellen Stand der Dinge. So soll z.B. „ab Mitte nächster Woche mit den Pflasterarbeiten von Ottenbruch bis Mirke beginnen, die dann je nach Witterung weitergeführt werden.“ Der Wegebau von Ottenbruch nach Mirke soll dann bis Frühsommer 2012 weitgehend abgeschlossen sein. Die Öffnung des Dorrenbergtunnel ist für Anfang Juli angepeilt. Der Auftrag für das Teilstück vom Rotter Tunnel bis zum Westkotter Viadukt soll im Frühjahr ausgeschrieben werden.

Quelle: Sitzungsprotokoll | Auf ein Wort

In diesen Tagen tobt wieder der Streit um die Nordbahntrasse. Als Außenstehender wird es – so empfinde ich es zumindest – immer schwerer sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Aus diesem Grund werde ich an dieser Stelle nicht weiter auf Streit zwischen WuppertalBewegung und Stadt eingehen, solange ich nicht das Gefühl habe umfassend und unabhängig informiert zu sein. Am Rande des aktuellen Streits sind allerdings noch ein paar Fakten zum abgespeckten Wegebau rausgefallen, die einer Beachtung wert sind:

  • Der Abschnitt zwischen Kohlenstraße bis Bracken wird – gemäß der ursprünglichen Planung –  3.5 Meter breit und mit eine wassergebundenen Schicht (ähnlich der Sambatrasse) versehen sein. Ab Bracken wird der Weg in einer Breite von 3 Metern zum Schee-Tunnel führen.
  • Der innerstädtische Bereich soll weiterhin mit 6 Metern als getrennter Rad- und Fussweg ausgebaut werden.
  • Der Bereich von ehemaligen Haltepunkt Dorp bis zum Trassenende an der Herderstraße soll mit 4 Metern ausgebaut und als ein kombinierter Rad- und Fussgängerweg ausgeschildert werden. Der Ausbau zum innerstädtischen Standard sei -so die Stadt – später noch möglich.
Gerade im letzen Punkt sehe ich ein großes Problem. Dieser Teil der Trasse stellt nicht nur eine schnelle und attraktive Verbindung zwischen Vorwinkel und Elberfeld (bzw. Barmen) dar, sondern bündelt den Radverkehr aus Barmen und Elberfeld in Richtung Niederbergbahn, Korkenziehertrasse und Düsseldorf. Gerade zu Stoßzeiten bei gleichzeitiger Nutzung von Feierabendverkehr und Freizeitnutzung (Spaziergängern mit Hunden) und am Wochenende sind unnötige Konflikte vorprogrammiert. Nicht weil sich eine Nutzergruppe danebenbenimmt, sondern weil es schlicht sehr eng auf diesem Teilstück wird. Der Begriff „Außenast“ ist in diesem Zusammenhang irreführend. Es handelt sich hierbei auch um einen technischen Begriff für einen bestimmten Förderbereich. Es bleibt zu hoffen, dass sich für diesen Abschnitt der Trasse noch eine andere Lösung findet und der Ausbaustandard dem der innenstädtischen Bereiche entspricht.

Der ADFC in Wuppertal berichtete bereits zu Beginn des Monats von einem Spitzentreffen zwischen WuppertalBewegung und der Stadt Wuppertal in der auch der Ausbaustandard der Außenäste der Nordbahntrasse thematisiert werden sollte. Wie die Westdeutsche Zeitung gestern morgen berichtet, soll die Wegbreite der Außenäste in der Tat von den geplanten 6 auf 3,5 Meter reduziert werden. Der ADFC Wuppertal warnt in seiner aktuellen Pressemeldung vor den Folgen der Reduzierung: Gerade auf den Außenästen (Dorp – Vohwinkel) ist mit verstärkten Radverkehr zu rechnen, da dieses Stück die beste Anbindung an den Panoramaradweg Niederbergbahn darstellt, außerdem liegt an diesem Außenast der einzige Bahnhof mit Übergang zum Regional- und Nahverkehr. Die Folge: Bei einem schmaleren Weg seien Konflikte zwischen Radfahrern und Fussgängern vorprogrammiert. Zwar seien die Trassen im Umland auch nicht breiter, aber durch die wichtige Rolle, die der Nordbahntrasse im Wuppertaler Radverkehrsnetz zukommt, sei hier mit einem besonders hohem Verkehrsaufkommen zu rechnen.

Einer ersten Reaktion von Emil Blume bei Twitter „Das ist doch ein schlechter Witz“ möchte ich mich an dieser Stelle anschließen. Wir erinnern uns, als Anfang des Jahres die Frage der Tunnel- und Brücken-Sanierung aufkam, entschied sich die Stadt für teuerste der möglichen Lösungen. Der hervorragende WDR-Bericht vom 28. März 2011 zeigte damals wie umliegende Städte mit Tunneln und Brücken umgehen. Nun soll also kein Geld für eine angemessene Verbindung von Elberfeld nach Vohwinkel drin sein? Die Bedenken des ADFC teile ich. Der Begriff „Außenäste“ ist dabei in der Diskussion irreführend, geht es doch im Kern um die Anbindung Vohwinkels und damit um eine Alternative zum Talradweg auf der B7.

Die Nordbahntrasse ist eine einmalige Chance für Wuppertal. Ein breiter kreuzungsfreier Weg durch das gesamte Tal, das die Zentren von Vohwinkel, Elberfeld und Barmen verbindet. Viele Städte wünschen sich diese Art der Infrastruktur. Im Ruhrgebiet sucht man fieberhaft nach einer Wegführung für einen Fahrradschnellweg um einen Umstieg vom Auto auf das Fahrrad schmackhaft zu machen. Mit der Nordbahntrasse haben wir diese Infrastruktur. Mit der hoffentlichen Fertigstellung im Jahre 2013/14 ist aber die Arbeit noch nicht getan, danach geht es daran Anbindungen zu optimieren, Zulaufstrecken und Infrastruktur (Radwege, Fahrradschleusen …) einzurichten und den ÖPNV fahrradfreundlicher zu gestalten, vor allem bei den Verbindungen auf die Höhen Wuppertals.

Bei aller Kritik: Die Anbindungen an die Trasse nehmen in den letzten Monaten Form an und auch auf der Trasse geht es – wenn auch sehr langsam – voran. Hoffen wir, dass es im Jahr 2012 zügiger weiter geht. Bisher ist Öffnung des Dorrenbergtunnels für den Frühsommer geplant. Hoffen wir dass auch das für die Barmer weitergeht. Die Öffnung des Rotter Tunnels, des Steinweg-Viaduktes und der Trasse bis zur Westkotter Straße wäre ein großer Schritt voran.

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Wie berichtet wurden bereits vor einigen Wochen Mirker- und Eckernförder-Straße für den Radverkehr in die Gegenrichtung geöffnet. Gestern habe ich mir erstmals selbst ein Bild von der Umgestaltung machen können: Durch die Öffnung der Mirker Straße ist möglich von der Wiesenstraße aus kommend in moderater Steigung auf die Nordbahntrasse zu gelangen. In Richtung Uellendahler Straße ist es nun möglich durch die Eckernförder Straße zu fahren. An der Kreuzung besteht dann die Möglichkeit in alle Richtungen abzubiegen (nicht etwa nur in Richtung B7). Die neue Beschilderung ist sehr eindeutig. Es gibt Hinweisschilder auf beiden Straßenseiten und Fahrrichtungen. Zwischen dem Mirker Bahnhof und der Einmündung der Neuen Friedrichstraße ist nun ein Radstreifen in die Gegenrichtung eingerichtet worden. Insgesamt macht die neue Anlage einen vorbildlichen Eindruck, weiter so!

Das Positive vorweg: Langsam nehmen die Anbindungen an die Nordbahntrasse Gestalt an. In Elberfeld wurde nun die Mirker Straße für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben. An der Eckernförder Straße besteht nicht nur die Möglichkeit gegen die Fahrtrichtung die Straße zu befahren, sondern auch mit Hilfe einer Anforderungsampel sicher aus der Straße auszufahren. Auch in Barmen nimmt die Anbindung Formen an: Die Umgestaltung der Westkotter Straße ist bereits seit einigen Wochen abgeschlossen und aus Radfahrersicht sind vorbildliche Verbesserungen zu erkennen. Die vier Fahrspuren wurden auf zwei Fahrspuren zurückgebaut und Radwege in beide Richtungen angelegt. Gerade auf dem Weg nach oben eine massive Erleichterung (man fühlt sich vom motorisierten Verkehr nicht mehr den Berg hochgetrieben) und eine gelungene Anbindung an die Nordbahntrasse, sollte diese eines Tages einmal fertig gestellt sein. Ich hätte mir natürlich noch gewünscht, dass die Briller Straße entsprechen umgestaltet wird, aber diese Chance ist wohl auf längere Zeit vertan, schade!

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: Dieser zieht sich seit geraumer Zeit über die eigentliche Trasse. Nun ist laut WDR und ADFC der schwelende Streit über die „Außenäste“, also die Bereiche von Vohwinkel bis zum Dorp-Tunnel und vom Bahnhof Wichlinghausen bis zum Schee-Tunnel eskaliert. Im WDR-Interview stellte der Vorsitzende der WuppertalBewegung Carsten Gerhardt klar, das sein Verein die von der Stadt festgestellten Mehrkosten von rund einer Millionen Euro nicht übernehmen möchte.

Eine Kompromisslösung könnte sein, dass der Ausbaustandard der Trasse abgespeckt würde. Statt der sechs Meter Wegbereite ist eine Reduzierung auf drei bis vier Meter denkbar. Der ADFC in Wuppertal berichtete bereits am 9. November von abgespeckten Baustandards, entscheiden soll sich das ganze am 17. November (also heute), dann steht ein Treffen zwischen Stadt und Land auf dem Terminkalender. Und noch eine schlechte Nachricht konnte man dem WDR-Interview entnehmen: Die Trasse soll nun erst 2014 durchgängig befahrbar sein.

Update: Der dringend benötigte Eingenmittelnachweis für die Außenäste der Trasse ist laut Westdeutscher Zeitung erbracht worden und kann nun bei der Landesregierung eingereicht werden. Der Artikel bestätigt noch einmal die abermals verlängerte Bauzeit. Aktuell plant die Stadt den innerstädtischen Bereich im Jahre 2013, die Außenäste 2014 fertig zu stellen. Eine weitere Verzögerung kann den Verlust von Fördermitteln zur Folge haben. (Danke an Michael)