Gestern freute ich mich noch über die (moderaten) Fortschritte beim Trassenbau, heute schüttle ich den Kopf über die Akteure. Das der Oberbürgermeister die Sponsoren der Nordbahntrasse ohne Wissen und Anwesenheit der WuppertalBewegung auf der Nordbahntrasse im Rathaus empfängt ist gewiss mit ’schlechter Stil‘ zusammenzufassen. Auch wenn gerade wieder zwischen dem Verein und der Stadt die Fetzten fliegen: Der Verein hat die Sponsoren angeworben und das Unternehmen erst möglich gemacht. Wesentlich schwieriger ist das Thema „Auszahlung von Fördermitteln„. Wie der WDR gestern Abend und die Westdeutsche Zeitung heute morgen berichten, weigert sich die Stadt der WuppertalBewegung Mittel in Höhe von rund einer Millionen Euro an den Verein auszuzahlen, da der Verein bei den Ausschreibungen, laut Stadt, gravierende Fehler gemacht hat. Die WuppertalBewegung weist die Vorwürfe zurück und präsentiert ein Gutachten eines Bonner Rechtsanwalt, der die Rechtmäßigkeit der Vergabemethode attestiert.

Wie diese neuerliche Episode zeigt, ist die Eiszeit zwischen der WuppertalBewegung und der Stadt noch immer nicht vorbei und die Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger wundern sich einmal mehr über dieses unwürdige Schauspiel. Während zwischen Remscheid und Burscheid ein großes Teilstück der Balkantrasse in Rekordzeit fertig gestellt wurde, jagt in Wuppertal eine Provinzposse die nächste. Auf der Strecke bleiben die Bürgerinnen und Bürger, die seit Jahren von dem Projekt begeistert sind und sehnsüchtig auf die Vollendung warten. Der Kredit der Akteure ist verspielt, nun sollte alles daran gesetzt werden das Projekt zügig zu vollenden, den aktuellen Streit einvernehmlich zu beenden und verlorengegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

Update: Inzwischen wenden sich auch Sponsoren gegen das Vorgehen der Stadtspitze. Der Unternehmer Heinz Schmersal bezieht in einem offenen Brief Stellung gegen die Stadt.

Update: Der ADFC Wuppertal geht auf seiner Webseite zum einen auf den aktuellen Streit zur Vergabepraxis und zum anderen auf die Kritik an der Baugeschwindigkeit ein.

Links zum Thema
Stadt hält Teil der NRW-Fördergelder zurück (Westdeutsche Zeitung)
Die Fronten sind verhärtet (Westdeutsche Zeitung)
Streit um die Trasse (WDR)
Die Sponsoren der Nordbahntrasse sind besorgt. (njuuz)
Unternehmer Heinz Schmersal stellt sich gegen den Oberbürgermeister (njuuz)
Ärger um die Nordtrasse geht weiter (WDR)
Nordbahn: Weiterbau und PR-Supergau (ADFC)
Nordbahn aktuell (Januar 2012) (ADFC)

 

[portfolio_slideshow showtitles=true]
Vorfreude rund um den Dorrenberg-Tunnel! Langsam werden die Ausmaße des nächsten Trassenabschnitts sichtbar. Nach der Stagnation zwischen Weihnachten und Silvester, und der Kritik an dieser, sind nun Woche für Woche weiter Fortschritte sichtbar. Der Gehweg ist inzwischen vom Ottenbrucher Bahnhof bis zum Mirker Bahnhof weitgehend fertig gestellt. Als nächstes werden auf der Ostseite des Weges die Radsteine gesetzt, bevor die Zugänge gebaut und der Radweg asphaltiert wird. Ich bin gespannt.

Es ist das Nadelöhr zwischen Barmen und Elberfeld. Am Landgericht ist – durch die Baustelle an der gleichnamigen Schwebebahnhaltestelle – bereits seit September 2010 der Radweg von Elberfeld in Richtung Barmen unterbrochen; was die Fahrt in den Ostteil der Stadt immer wieder zu einem Glücksspiel macht. Zwar ist es möglich die Wupperbrücke zum Hartmannufer zu befahren, allerdings entpuppte sich das Ufer ebenfalls als Sackgasse, da auch dieser Weg durch die Bauarbeiten an der Station gesperrt war. Ich bin dann oft „querfeldein“ nach dem Vorschlag des ADFC bis zur Haspeler Straße gefahren, aber ärgere mich jedes Mal über diese Baustelle.

Langsam lichtet sich die Baustelle und auch im unmittelbar an die Station angrenzenden Flächen wird schon seit einiger Zeit die Fahrbahn wieder hergestellt. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück Radweg bald wieder nutzbar ist, aber hier im Tal dauert ja alles etwas länger und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Klar, bei dem Bau der Schwebebahnhaltestelle sind viele Probleme aufgetreten und meine Kritik richtet sich nicht gegen die lange Bauzeit, sondern gegen die fehlende Einrichtung einer legalen Ausweichroute für Radfahrer. Bei einer Bauzeit von 16 Monaten wäre dieses eigentlich zu erwarten gewesen.

Das Handybild trägt der Situation auf der Nordbahntrasse am heutigen Mittag leider keine Rechnung. Bei meiner Fahrt über die Trasse konnte man schon einmal einen Vorgeschmack bekommen, wie es aussieht wenn die Trasse einmal fertig ist. An einigen Stellen war es so voll, dass es mit dem Rad kein Weiterkommen gab …

Noch im letzten Jahr war ich zu Gast in der WDR 5-Sendung Scala, in der Rubrik „Geschmackssachen“ sprach ich über Fahrradblogs, Cycle Chic und Critical Mass. Zu hören ist die Sendung hier, der Beitrag ist ab Minute 39 zu hören. Ferner wünsche ich natürlich allen Lesern dieses Blogs ein frohes 2012, mit der Hoffnung auf ein paar Kilometer Nordbahntrasse.

Der bergische Sommer war dieses Jahr nicht so berühmt, wie dieses Video aus dem Juli 2011 beweist. Während der Abfahrt von Heiligenhaus nach Flandersbach werde ich (und eine weitere Gruppe Radfahrer) von einem Gewitter überrascht. Nach der Abfahrt wurde der Niederschlag noch stärker, also stellte ich mich unter einer Brücke am Rande der Kalkwerke unter. Nach ein paar Minuten kam ein Junge auf einen Fahrrad vorbei und frage mich, ob ich kein Auto haben würde. Ich sagte ihm, das ich ein Auto hätte (Naja … ich kann zumindest ein Auto mitbenutzen), daraufhin fragte er mich warum ich mit dem Fahrrad fahren würde, wenn ich doch ein Auto hätte. Ich war irritiert. Ich versuchte ihm dann klar zu machen, dass Fahrradfahren gesund sei und Spass machen würde. Freilich war meine Argumentationsgrundlage bei den aktuellen Wetterbedingungen eher mau.

Diese kleine Anekdote zeigt vielleicht eines der Probleme mit denen wir es bei der Mobilitätswende zu tun haben: Das Auto wird immer noch als Fortbewegungsmittel Nummer Eins verstanden und propagiert. Das Fahrrad hingegen ist noch immer eher ein Sportgerät oder ein Freizeitverkehrsmittel.