… das wird heute und morgen Thema in den Wuppertaler Medien sein. Doch was ist passiert?

Wuppertal (ots) – Gestern Nachmittag (13.02.2017), gegen 17.30 Uhr, stieß in Wuppertal ein 40-jähriger Radfahrer auf dem Gehweg der Morianstraße mit einem 3-jährigen Jungen zusammen. Der Radfahrer fuhr zuvor auf dem zukünftigen Radweg an der Bundesallee und wechselte an der Kreuzung zur Morianstraße auf den Gehweg. Dort kollidierte er mit dem Kind. Beide stürzten und erlitten leichte Verletzungen, der Junge wurde von Rettungskräften versorgt und kam zur Beobachtung in ein Krankenhaus.

Soweit die Pressemitteilung der Polizei. Und: Bevor wir in die Materie einsteigen zwei Dinge vorweg:

  1. Ich hoffe, den Unfallbeteiligten geht es gut! und
  2. Der Gehweg ist tabu! Nur wenn dieser durch ein Zusatzschild freigegeben ist, dürft ihr dort, in Schrittgeschwindigkeit und ohne Fussgänger zu gefährden, fahren! 

Die Bezeichnung „zukünftigen Radweg“ ist natürlich irreführend. In Deutschland ist alles, was wie ein Radweg aussieht auch ein Radweg. Allerdings nur ein „sonstiger Radweg“ also ein Radweg ohne Benutzungspflicht. Sowas ist eigentlich in Wuppertal die Regel: Hünefeldstraße und Berliner Straße sind vielleicht die prominentesten Beispiele für Radwege, auf denen Radfahrende die Wahl haben: Fahrbahn oder Radweg.


Der Unfall zeigt allerdings das Problem, dass wir in Zukunft im Bereich Brausenwerth haben werden: Die (unzeitgemäße) neue Infrastruktur endet im irgendwo Nirvana. Geradeaus führt ein Zwei-Richtungs-Radweg unter der Fussgängerbrücke Geschäftsbrücke her und auf der Morianstraße ist keine Radinfrastruktur vorgesehen. Dabei ist die Verbindung von der Nordbahntrasse über die Gathe und Morianstraße zum neuen Döppersberg, eine der in Zukunft meistgenutzten Routen in Elberfeld. Die Stadt selbst fördert diese Verbindung ja zusätzlich, durch die Errichtung eines Radhauses am neuen Döppersberg. Sie generiert Nachfrage an der Kreuzung Brausenwerth, ohne für eine vernünftige Anbindung auf der Nord-Süd-Achse zu sorgen. Das bedeutet: Der Anteil der Gehwegradler im Bereich Morianstraße und Gathe wird mit der Inbetriebnahme des Radhauses massiv ansteigen. Es ist unabdingbar, dass auf der Morianstraße eine gute und sichere Radinfrastruktur entsteht, damit sich Autofahrer, Radfahrer und Fussgänger nicht gegenseitig in die Quere kommen. Grundsätzlich hätte das alles bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Damals hatte man aber andere Pläne für den Radverkehr: So bat im März 2004 der Vorsitzende des Wuppertaler Verkehrsausschusses die Planer,  den Knotenpunkt Döppersberg nicht durch Radfahrende „zusätzlich zu belasten“. – Diesem Wunsch ist man größtmöglich nachgekommen … mit allen Konsequenzen.

Abschließend: Bevor Missverständnisse auftauchen: Der Radfahrer hätte nicht dort fahren dürfen, er ist für sein Verhalten selbst verantwortlich. Mit diesem Beitrag möchte ich das Geschehene nicht entschuldigen oder relativen, sondern für eine sichere Radinfrastruktur auf der Achse Döppersberg – Nordbahntrasse werben. „Radfahrer fährt Kind auf Gehweg an“ ist keine Schlagzeile, an die ich mich in Wuppertal gewöhnen möchte.

Gestern fand die mündliche Verhandlung gegen das Fahrbahnverbot auf der B7 vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht statt. Gegen das Fahrbahnverbot hatte Radfahrer und IG Fahrradstadt Mitglied Ulrich Schmidt geklagt. Die mündliche Verhandlung gestern endete ergebnislos. Das Urteil wird dem Kläger und der Beklagten voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Wochen zugestellt. Ich war, gemeinsam mit einigen weiteren Besuchern, vor Ort und habe nach der Verhandlung mit Ulrich Schmidt gesprochen.

Worum geht es genau? 
Auf der B7, in Fahrrichtung Westen ist zwischen Ohligsmühle und Sophienstraße, ist seit Mitte 2015 die Durchfahrt für Radfahrer verboten. Die Stadt Wuppertal begründet dieses Verbot mit einer örtlichen Gefahrenlage, die damals an dieser Stelle bestand. Dagegen hat Ulrich Schmidt geklagt. Außerdem richtete sich eine zweite Klage gegen die verwehrte Öffnung der Busspur.

Medienspiegel:
Radfahrer zieht gegen die Stadt vor Gericht (WZ Wuppertal)
B7 besser als Aue (WZ Wuppertal)
Radfahraktivisten gespannt auf Urteil (WZ Wuppertal)
B7 verboten! Radfahrer zieht vor Gericht (WDR Wuppertal)

Seit genau zwei Jahren ist Wuppertals zentraler Verkehrsknoten gesperrt. Noch bis 2017 werden die Bauarbeiten für die Stadtautobahn an der tiefergelegten B7 noch dauern. Nach Ende der Bauarbeiten wird der Individualverkehr über neun Fahrspuren, der Radverkehr über einen, dem neusten Stand der Technik unzureichenden, Zwei-Richtungs-Radweg geführt. An der zentralen Kreuzung wird die Querung der Fahrbahnen nicht in einem Zug, sondern nur durch Warten auf der Mittelinsel möglich sein. Jenseits des Walls und der Kluse endet die Infrastruktur unvermittelt. Unterm Strich: Radverkehrsinfrastruktur aus dem Geschichtsbuch.

Das die Radverkehrsanlagen am neuen Döppersberg als unzureichend zu bezeichnen sind, war durchaus gewollt. So bat im März 2004 der Vorsitzende des Wuppertaler Verkehrsausschusses die Planer,  den Knotenpunkt Döppersberg nicht durch Radfahrende „zusätzlich zu belasten“. Seitdem ist allerdings viel passiert: Die Wuppertalerinnen und Wuppertaler haben das Rad als Verkehrsmittel entdeckt, der Radverkehrsanteil steigt und am neuen Döppersberg soll nun ein „Radhaus“ entstehen. Leider wird die dort entstehende Infrastruktur nicht in der Lage sein, die entsprechende Radverkehrsmenge aufzunehmen.

Ähnlich schlecht sieht es für den ÖPNV aus. In der „endgültigen Verkehrsplanung“ sind im Bereich des ehemaligen Fussgängertunnels keine Busspuren zu finden und durch den Wegfall der Busrampe müssen Busse, die vom neuen Busbahnhof in die Südstadt fahren, drei Ampelanlagen mehr durchfahren.  Es liegt auf der Hand, dass nach Abschluss der Arbeiten Wege gefunden werden müssen, diese offensichtlichen Mängel zu beseitigen.

Neben diesem Blick in die Zukunft, lohnt es sich allerdings auch in die jüngste Vergangenheit zu schauen. Die Sperrung war z.B. Anlass für mich eine siebenteilige Videoreihe zum Thema Radfahren in Wuppertal zu produzieren. Damals war die Nordbahntrasse noch nicht durchgängig befahrbar, dadurch spielt sie in den Videos nur eine untergeordnete Rolle.

Hier eine kurze Auswahl von Videos aus den letzten Tagen des alten Döppersbergs.

 

Cruisin‘ Döppersberg 
Der Kurzfilm vom ersten Sperrungstag nahm beim Internationalen Fahrradfilm-Festival und am Bürgermedienpreis 2014 teil.

Die letzte Zeitrafferaufnahme des alten Döppersbergs. Zwei Tage vor der Sperrung

Wirklich vermissen wird die Harnröhre wohl niemand. Dieses Video zeigt den Zustand, in dem der Fussgängertunnel zuletzt sein dasein fristete.

 

 

Bereits vor zwei Wochen war ich, zusammen mit Vertretern der Stadt und dem ADFC, mit der Westdeutschen Zeitung unterwegs in Wuppertal-Elberfeld. Zusammen sind wir die Hauptrouten in Elberfeld abgefahren und haben über die Radinfrastruktur und ihre Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen. Am vergangen Freitag war das Resultat in der Printausgabe zu lesen. Die beiden Artikel sind auch online verfügbar:

Radeln in der City: „Es wird immer besser“
Ein Radhaus am Döppersberg? „Dafür fehlt die Infrastruktur“

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Seit dem 21. Juli 2014 ist der Döpperberg, der Hauptverkehrsknotenpunkt in Wuppertal, wegen Bauarbeiten gesperrt. Die bisherige Bundesstraße und der ehemalige Busbahnhof werden abgerissen und das Areal großflächig umgestaltet. Am ersten Tag der Sperrung konnte man den gesperrten Bereich noch mit dem Rad befahren. Julian und ich haben spontan eine letzte Runde über den Döppersberg gedreht und haben die Kamera mitgenommen. Wir haben den Film während der Rush-Hour zwischen 18 und 20 Uhr gedreht, erstmals und letztmals konnte man sich auf der Verkehrsfläche, die zu fast 100% durch Kraftfahrzeuge dominiert wurde, frei bewegen. Man fühlte sich wie auf einer Mini-Version des Tempelhofer Felds. Trotz Hauptverkehrszeit hörte man nur die Schwebebahn vorbeifahren und im Hintergrund die Geräusche der Eisenbahn. Der „Sound“, der die letzten Jahrzehnte den Platz ausmachte, war verschwunden.

Der Film „Cruisin‘ Döppersberg“ wurde seit dem 21. Juli über 5.000 Mal auf der Videoplattform Vimeo angeschaut, wurde auf dem 9. International Cycling Film Festival 2014 in Herne und Kraków aufgeführt und im Fernsehprogramm nrwision ausgestrahlt. Durch die vielen positiven Rückmeldungen habe ich mich dazu durchgerungen, den Film zum Bürgermedienpreis 2014 der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen einzureichen. Jetzt kommt ihr ins Spiel: Es wäre total super, wenn ihr bis zum 2. November 2014 für den Film auf der Aktionsseite abstimmen würdet. Die Abstimmung findet ihr unter:

Abstimmung Bürgermedienpreis 2014

Mein Dank ist euch sicher!

 

Über manche Verkehrsführung rund um die Döppersberg-Sperrung kann man sich aufregen, schmunzeln oder ratlos den Kopf schütteln, allerdings was sich an der Ampel Gathe/Hofkamp abspielt, fällt in eine ganz andere Kategorie: Schluss mit Lustig, denn die vermeintliche Radverkehrsführung ist brandgefährlich!
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Was war passiert? Bisher gab es auf dem Hofkamp eine Lichtzeichenanlage für den Radverkehr. Die Fahrradampel signalisierte den Radverkehr auf dem nicht-benutzungspflichten Radweg. Doch im Zuge der Döppersberg-Sperrung wurde die Ampel umprogrammiert und die Verkehrsführung geändert. Das nachsehen hatten mal wieder Radfahrer und Fussgänger. Als Fussgänger konnte man vor ein paar Wochen noch die Straße in einem Zug überqueren, als Radfahrer hatte man eine eigene Ampel. Heute muss man als Fussgänger auf der Mittelinsel warten, die Ampel für den Radverkehr ist abgebaut, mit gefährlichen Folgen: weiterlesen

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In den nächsten Tagen soll die neue Busspur auf der B7, zwischen den Straßen „Am Haspel und „Am Wunderbau“ für den Radverkehr freigegeben werden. Eine Leserin hatte sich an die Stadt gewandt und mit der Verwaltungsvorschrift zum Zeichen 245 (Busspur) argumentiert. Laut der Vorschrift ist eine Führung des Radverkehrs zwischen ÖPNV und Individualverkehr nicht zulässig. Einer Freigabe der Südstraße wurde allerdings erneut eine Absage erteilt. In Sachen Südstraße hatte ich, bereits Anfang der letzten Woche, bei der Stadt – leider erfolglos – angeregt, die knapp 200 Meter von der Tony-Cragg-Skulptur bis zum Islandufer neben dem Taxi-Verkehr auch für den Radverkehr freizugeben.
(Vielen Dank an Janin, für die Infos)

Seit gestern früh ist die B7 vom ehemaligen Busbahnhof bis zur Ohligsmühle gesperrt. Ich habe mal die Gunst der Stunde genutzt und mit Julian ein paar Runden über die gesperrte Strecke gedreht. Es ist zwar nicht das Tempelhofer Feld, aber immerhin …

Deutlich früher war die Sektion Wadenkrampf vor Ort und hat dieses Video gedreht: