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Schlagwort: Radschnellweg

Die Nordbahntrasse als Radschnellweg

tunnelIch benutze manchmal im Blog und auf der Facebook-Seite bei der Berichterstattung über die Nordbahntrasse den Zusatz Radschnellweg, auch die Leute von der Wuppertaler Critical Mass oder den Uni-Radlern nutzen diesen Zusatz. Gelegentlich bekomme ich Mails in denen mich Leute darauf hinweisen, dass die Nordbahntrasse eben kein Radschnellweg sei. Seit knapp einem halben Jahr vertröste ich diese E-Mailschreiber auf einen Artikel zu diesem Thema, nun hier ist er:

Bestandsaufnahme Nordbahntrasse
Machen wir einmal eine Bestandsaufnahme: Die Nordbahntrasse führt, im innerstädtischen Bereich, kreuzungsfrei und auf gleichbleibenden topographischen Niveau durch die Wohn- und Gewerbegebiete des Wuppertaler Nordens. Dabei streift sie die Zentren von Wuppertal-Barmen und Wuppertal-Elberfeld. In Unmittelbarer Nähe zur Trasse sind zahlreiche Schulen (Gesamtschule Langerfeld, Schulzentrum Ost, Die Realschulen Hohenstein, Neue Friedrichstraße und Leimbacher Strasse, Grundschule am Opphof usw.), Verwaltungseinrichtungen wie das Wuppertaler Rathaus in Barmen oder das Bürgerbüro in Vohwinkel oder Einkaufsmöglichkeiten (Supermärkte am Diek, Akzenta Vohwinkel, Edeka und Lidl am Otto-Hausmann-Ring) angesiedelt. Der innerstädtische Bereich ist ein getrennter Rad- und Fussweg. Der Radweg ist 4 Meter breit, der Fussweg 2 Meter, mit ihren insgesamt 6 Metern Breite ist die Nordbahntrasse somit der am besten ausgebaute Rad- und Fussweg in der Region. Die Trasse ist nachts von Vohwinkel bis zur Kohlenstraße durchgängig beleuchtet, durch die imposanten Tunnel und Viadukte verläuft die Strecke ohne nennenswerte Steigung oder Unterbrechung. Im Winter soll die Trasse, sobald diese offiziell freigegeben ist, auch von der ESW bei Schneefall geräumt werden. Soweit die Fakten, ich bitte das alles im Hinterkopf behalten, denn wir schauen mal kurz in’s Ruhrgebiet.

Kriterien für Radschnellwege
Im Ruhrgebiet soll nun ein Radschnellweg entstehen. Schauen wir mal auf die Anforderungen die das Land Nordrhein-Westfalen an einen solchen Weg stellt. Im Zwischenbericht zum Radschnellweg Ruhr wird auf S. 20 ein Radschnellweg wie folgt beschrieben:

  • Trennung von Rad- und Fussweg
  • Planfreie/Durchgängige Linienführung
  • Damit sich die Radfahrer gegenseitig überholen können oder zu zweit nebeneinander fahren können, ist eine Mindestbreite von 4 Metern vorgeschrieben.
  • Die Strecke darf wenig Steigung aufweisen.
  • Der Weg soll (innerorts) beleuchtet sein.
  • Die Strecke muss im Winter geräumt werden.
  • Wünschenswert sei eine Länge von mindestens 5 Kilometern.

Der Radschnellweg als Chance für die Nahmobilität
Kommen uns nicht diese Kriterien bekannt vor? Richtig, unsere Nordbahntrasse erfüllt alle Kriterien für einen Radschnellweg. Das heißt jetzt nicht, dass sich das Nutzerverhalten schlagartig ändern muss, sondern lediglich, dass wir die Trasse zunehmend auch Chance für den alltäglichen Verkehr sehen und auch so bewerben müssen. Teile der Stadtverwaltung sehen dies auch so und auch die WuppertalBewegung schreibt auf ihrer Webseite: „Die Nordbahntrasse ist (…) für viele Gelegenheiten eine gesunde und ökologisch verträgliche Alternative zum privat genutzten PKW und zum öffentlichen Nahverkehr.“ oder „Anziehung von innovativen und kreativen Menschen, die im Briller Viertel an der Strecke wohnen und mit dem Rad zur Arbeit im Wichlinghauser Fabrikloft fahren könnten.“

Fazit
Der Begriff Radschnellweg widerspricht natürlich nicht der Freizeitnutzung, sondern erweitert diesen um die Nutzung der alltäglichen Nahmobilität. Die Trasse verbindet Schulen, Firmen, Wohnquartiere, tangiert die Innenstädte und bietet mit dem Bahnhof Vohwinkel sogar einen Übergang zum regionalen und überregionalen Bahnverkehr. Für Wuppertal ist die Wahrnehmung der Nordbahntrasse nicht nur als Freizeitweg, sondern auch als regulärer Verkehrsweg ein wichtiger Schritt mehr Menschen das alltägliche Radfahren zu ermöglichen. Ob zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen, als Verbindung zur Bahn oder um Freunde zu besuchen. In den letzten Jahren ist im Herzen unserer Stadt eine Infrastruktur entstanden, die nicht nur Stadtplaner aus ganz Europa anziehen wird, sondern auch eine, um die uns Radfahrerinnen und Radfahrer in ganz Europa beneiden werden. In NRW ist mir übrigens kein anderer Radweg bekannt, der den Kriterien des Landes entspricht, (falls ihr einen kennt, bitte einen kurzen Hinweis in die Kommentare), … oder wie es einmal ein Freund aus Dänemark sagte: So einen Luxusradweg haben selbst wir nicht.

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