Vom Kampfradler zum Klugscheißer

freiIch kam mir ertappt vor: „Geradezu süß mutet es an, während der Fahrt noch einem hupenden Kraftfahrzeug etwas von ‚Nicht benutzungspflichtig!‘ hinterherzurufen …“ schreibt Malte von Radverkehrspolitik.de in einem sehr lesenswerten Artikel zur Änderung der StVO im Hinblick auf die Abschaffung Radwegbenutzungspflicht. Kürzlich habe ich mich dann rückblickend „süß“ verhalten. Auf der Hünefeldstraße rief ich einem drängelnden, hupenden und schlussendlich auch zu nah überholendem motorisierten Verkehrsteilnehmer diese Worte hinterher: „Nicht benutzungspflichtig!“. Unbeeindruckt davon – er wird es auch nicht gehört haben – fuhr er weiter, doch ein DHL-Lieferwagen und ein ausparkender PKW machte seinen Vorsprung mir gegenüber zunichte. Die Folge: An der Haspler Brücke standen wir an der Ampel nebeneinander. Der Autofahrer fuhr das Beifahrerfenster herunter und begann mich zu beschimpfen. Nur durch mich müsste er jetzt hier warten, ich hätte ihn behindert und außerdem müsste ich sowieso auf dem Radweg fahren: Die StVO gelte ja auch für Radfahrer. Als ich ihm darauf antwortete, dass der DHL-Laster und der ausparkende PKW „daran schuld sei“, dass er nun hier stehen würde, ich den Radweg schon seit 15 Jahren nicht benutzen müsste und ich ihn auch nicht behindert hätte, da ich nur den gesetzlich vorgeschriebenen Seitenabstand zu parkenden Autos eingehalten hätte, wurde er leicht patzig. Mit den Worten „Ach, ein Klugscheißer, ihr habt ja auch auf alles eine Antwort“ fuhr er das Beifahrerfenster wieder hoch. Für ihn war wohl die Diskussion beendet. Wir standen noch einen Moment an der Ampel, bis diese grün zeigte. Dann fuhren wir los. Kurz vor der Schwebebahnstation überholte er mich … mit zu geringen Seitenabstand … ich hab‘ ihm nichts hinterhergerufen.

7 Kommentare

  1. Tja, viele Autofahrer kennen einfach die Regeln nicht. Da wäre ein Aufklärungskampagne mal nützlich. Aber schön, wie die ihn „zum Schweigen“ gebracht hast!
    In solchen Fällen liebe ich die Pufferzonen für Radfahrer an der Ampel. Dann kannste erstmal schööön langsam losradeln…

  2. Sowas gibt es leider in Wuppertal (noch) nicht. Ich glaube aber das sich der Eindruck des regelbrechenden Radfahres natürlich so im Kopf der Leute festsetzt.

  3. Leider kennen nicht nur viele Autofahrer die Regeln nicht.

    Am Dienstagmorgen ist mein Sohn (volljährig + ein Dutzend Jahre) auf der Berliner Straße von einer Polizeistreife auf den vom nächtlichen Regen notdürftig vom Schnee freigewaschenen, nicht benutzungspflichtigen Radweg verwiesen worden. Begründung: „Wir wollen Sie nicht von der Straße kratzen müssen“.
    Die Einlassung meines Sohnes, dass dieser Radweg nicht benutzungspflichtig sei, wurde von der jüngeren Polizisten bestritten, u.a. mit der Behauptung, das von ihm vermisste blaue Schild „stünde weiter vorn“.
    Nach meiner Ortskenntnis kann sie damit nur das Schild an der Werther Brücke gemeint haben, das mit einem deutlichen „Ende“-Schild versehen ist.
    Dass der fragliche Teil zu diesem Zeitpunkt wegen Schnee-und Eisresten auch mit blauem Schild nicht hätte benutzt werden müssen, war ihr gleichgültig, „auf der Fahrbahn könnte ja ein übermüdeter LKW-Fahrer kommen“.
    Die Wuppertaler Polizei ist zum Fremdschämen!
    Wenn auch die nach 15 Jahren immer noch nicht die Rechtslage kennen, wer soll denn dann die Autofahrer aufklären, wie Daniel oben vorgeschlagen hat?
    Von der Stadtverwaltung und leider auch vom ADFC, der vorübergehend einen Polizisten im Vorstand hatte, erwarte ich da auch nichts mehr.

  4. Leider teile ich extrem schlechte Erfahrungen mit der Polizei in meiner Heimatstadt, bei der sich viele Beamte nicht mit der Gesetzeslage auskennen und sich manche auch nicht schämen, Radfahrer aus dem Streifenwagen heraus anzuhupen (ohne ersichtlichen Verstoß und ohne weitere Erklärung). Wuppertal landet folgerichtig auf dem letzten Platz des ADFC Fahrradklimatests, der gerade veröffentlicht wurde.

  5. “Wir wollen Sie nicht von der Straße kratzen müssen”, das ist schon ganz schön dreist. Das man sich als Wuppertaler Radfahrer nicht auf die lokale Polizei verlassen kann wurde mir mal zwischen Arbeitsamt und Landgericht klar. Dort wurde ich von einem Kleinlaster mit viel zu geringen Seitenabstand überholt. Ich spielte kurz mit dem Gedanken den Fahrer anzuzeigen, doch ihm folgte ein Polizeiwagen mit ähnlich geringen Seitenabstand.

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