NBT: Ausbau im Westen hat begonnen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Seit dieser Woche wird auf der Nordbahntrasse zwischen dem ehemaligen Haltepunkt Dorp und dem Trassenende in Vohwinkel gebaut. Wie die Stadt Wuppertal mitteilt, werden zunächst die noch vorhandenen Bahnschwellen entfernt und der Untergrund geschreddert. Danach soll, bis August, ein vier Meter breiter Asphaltweg entstehen. Ursprünglich geplante Wegbreite von sechs Metern war bereits um November 2011 aus Kostengründen reduziert worden. Gute Nachrichten gibt es weiterhin von der LED-Beleuchtung: Diese soll, da die Mittel für den „innerstädtischen Bereich“ nicht komplett ausgeschöpft wurden, bis verlängert werden. Somit steht einer Beleuchtung vom Vohwinkler Bahnhof bis  nach Nächstebreck nichts mehr im Wege. Die Arbeiten an der Beleuchtung des Weges soll bereits bis Juni angeschlossen sein. Außerdem erfreulich: Dank einer anonymen Spende wurden die Treppenanlagen am ehemaligen Haltepunkt Dorp mit Schiebeschienen ausgestattet. Somit ist auch der obere Bereich des Otto-Hausmann-Rings und das Wohngebiet In der Beek bequem(er) von der Nordbahntrasse aus zu erreichen.

Wie breit darf’s sein?

In diesen Tagen tobt wieder der Streit um die Nordbahntrasse. Als Außenstehender wird es – so empfinde ich es zumindest – immer schwerer sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Aus diesem Grund werde ich an dieser Stelle nicht weiter auf Streit zwischen WuppertalBewegung und Stadt eingehen, solange ich nicht das Gefühl habe umfassend und unabhängig informiert zu sein. Am Rande des aktuellen Streits sind allerdings noch ein paar Fakten zum abgespeckten Wegebau rausgefallen, die einer Beachtung wert sind:

  • Der Abschnitt zwischen Kohlenstraße bis Bracken wird – gemäß der ursprünglichen Planung –  3.5 Meter breit und mit eine wassergebundenen Schicht (ähnlich der Sambatrasse) versehen sein. Ab Bracken wird der Weg in einer Breite von 3 Metern zum Schee-Tunnel führen.
  • Der innerstädtische Bereich soll weiterhin mit 6 Metern als getrennter Rad- und Fussweg ausgebaut werden.
  • Der Bereich von ehemaligen Haltepunkt Dorp bis zum Trassenende an der Herderstraße soll mit 4 Metern ausgebaut und als ein kombinierter Rad- und Fussgängerweg ausgeschildert werden. Der Ausbau zum innerstädtischen Standard sei -so die Stadt – später noch möglich.
Gerade im letzen Punkt sehe ich ein großes Problem. Dieser Teil der Trasse stellt nicht nur eine schnelle und attraktive Verbindung zwischen Vorwinkel und Elberfeld (bzw. Barmen) dar, sondern bündelt den Radverkehr aus Barmen und Elberfeld in Richtung Niederbergbahn, Korkenziehertrasse und Düsseldorf. Gerade zu Stoßzeiten bei gleichzeitiger Nutzung von Feierabendverkehr und Freizeitnutzung (Spaziergängern mit Hunden) und am Wochenende sind unnötige Konflikte vorprogrammiert. Nicht weil sich eine Nutzergruppe danebenbenimmt, sondern weil es schlicht sehr eng auf diesem Teilstück wird. Der Begriff „Außenast“ ist in diesem Zusammenhang irreführend. Es handelt sich hierbei auch um einen technischen Begriff für einen bestimmten Förderbereich. Es bleibt zu hoffen, dass sich für diesen Abschnitt der Trasse noch eine andere Lösung findet und der Ausbaustandard dem der innenstädtischen Bereiche entspricht.

3,5 statt 6 Meter!

Der ADFC in Wuppertal berichtete bereits zu Beginn des Monats von einem Spitzentreffen zwischen WuppertalBewegung und der Stadt Wuppertal in der auch der Ausbaustandard der Außenäste der Nordbahntrasse thematisiert werden sollte. Wie die Westdeutsche Zeitung gestern morgen berichtet, soll die Wegbreite der Außenäste in der Tat von den geplanten 6 auf 3,5 Meter reduziert werden. Der ADFC Wuppertal warnt in seiner aktuellen Pressemeldung vor den Folgen der Reduzierung: Gerade auf den Außenästen (Dorp – Vohwinkel) ist mit verstärkten Radverkehr zu rechnen, da dieses Stück die beste Anbindung an den Panoramaradweg Niederbergbahn darstellt, außerdem liegt an diesem Außenast der einzige Bahnhof mit Übergang zum Regional- und Nahverkehr. Die Folge: Bei einem schmaleren Weg seien Konflikte zwischen Radfahrern und Fussgängern vorprogrammiert. Zwar seien die Trassen im Umland auch nicht breiter, aber durch die wichtige Rolle, die der Nordbahntrasse im Wuppertaler Radverkehrsnetz zukommt, sei hier mit einem besonders hohem Verkehrsaufkommen zu rechnen.

Einer ersten Reaktion von Emil Blume bei Twitter „Das ist doch ein schlechter Witz“ möchte ich mich an dieser Stelle anschließen. Wir erinnern uns, als Anfang des Jahres die Frage der Tunnel- und Brücken-Sanierung aufkam, entschied sich die Stadt für teuerste der möglichen Lösungen. Der hervorragende WDR-Bericht vom 28. März 2011 zeigte damals wie umliegende Städte mit Tunneln und Brücken umgehen. Nun soll also kein Geld für eine angemessene Verbindung von Elberfeld nach Vohwinkel drin sein? Die Bedenken des ADFC teile ich. Der Begriff „Außenäste“ ist dabei in der Diskussion irreführend, geht es doch im Kern um die Anbindung Vohwinkels und damit um eine Alternative zum Talradweg auf der B7.

Die Nordbahntrasse ist eine einmalige Chance für Wuppertal. Ein breiter kreuzungsfreier Weg durch das gesamte Tal, das die Zentren von Vohwinkel, Elberfeld und Barmen verbindet. Viele Städte wünschen sich diese Art der Infrastruktur. Im Ruhrgebiet sucht man fieberhaft nach einer Wegführung für einen Fahrradschnellweg um einen Umstieg vom Auto auf das Fahrrad schmackhaft zu machen. Mit der Nordbahntrasse haben wir diese Infrastruktur. Mit der hoffentlichen Fertigstellung im Jahre 2013/14 ist aber die Arbeit noch nicht getan, danach geht es daran Anbindungen zu optimieren, Zulaufstrecken und Infrastruktur (Radwege, Fahrradschleusen …) einzurichten und den ÖPNV fahrradfreundlicher zu gestalten, vor allem bei den Verbindungen auf die Höhen Wuppertals.

Bei aller Kritik: Die Anbindungen an die Trasse nehmen in den letzten Monaten Form an und auch auf der Trasse geht es – wenn auch sehr langsam – voran. Hoffen wir, dass es im Jahr 2012 zügiger weiter geht. Bisher ist Öffnung des Dorrenbergtunnels für den Frühsommer geplant. Hoffen wir dass auch das für die Barmer weitergeht. Die Öffnung des Rotter Tunnels, des Steinweg-Viaduktes und der Trasse bis zur Westkotter Straße wäre ein großer Schritt voran.