7.500 Teilnehmer bei Fahrradsternfahrt

Der ältere Herr sitzt hinter dem Steuer seines BMWs und hupt. Schließlich öffnet er die Türe und ruft: „Wenn sie zehn Radfahrer platzmachen, kann ich da durch“. Von hinten antwortet jemand mit „finde den Fehler!“. Wir sind irgendwo zwischen Wuppertal und Düsseldorf. Wir, das sind zwischen 150 und 200 Radfahrerinnen und Radfahrer aus Wuppertal, Haan und Solingen. Der gute Mann muss nicht lange warten, denn während der Mann hilflos hinterm Steuer sitzt, setzt sich die Truppe vorne in Bewegung. Bis auf diesen kleinen Zwischenfall verläuft die Fahrt nach Düsseldorf sehr harmonisch. In Unterfeldhaus stoßen weitere RadfahrerInnen zu der Truppe, die von nun an unter Polizeischutz steht. Mit Blaulicht und unter dem Lärm der Polizeimotorräder geht es zunächst nach Düsseldorf-Gerresheim und dann weiter bis zum Oberbilker Markt. Dort gibt es eine kurze Pause und ein Wiedersehen mit Freunden aus den anderen Zubringergruppen.

Nach einer knappen Viertelstunde zieht der Hauptzug der Sternfahrt, der gegen 13 Uhr an der Königsallee gestartet war, an uns vorbei. Wir schließen uns dem Hauptfeld an. Von der Oma mit dem Hollandrad zu Kleinkindern im Bullit ist während der Fahrt alles zu sehen. Vom Gelegenheits- bis zum Rennradfahrer sind heute alle auf den Beinen Rädern. Bei dem Wetter (knappe 20 Grad und blauer Himmel) kein Wunder! Die Stimmung ist gut, doch leider drängeln immer wieder Autofahrer in die Masse, da es die Polizei versäumt auch größere Einmündungen zum Südring zu sperren. Zum Glück gibt es immer wieder Menschen aus dem Feld, die diese Aufgabe übernehmen. Nach der Fahrt über den Überflieger im Düsseldorfer Hafen stehen wir rund eine Viertelstunde im Niemandsland zwischen dem QVC-Parkhaus und einem großen Brachfläche. „So muss sich wohl der Berufsverkehr anfühlen“, scherzt eine junge Frau auf einem roten Fixie-Fahrrad. Der große Mann, Mitte 50, der neben ihr steht, findet das scheinbar nicht so lustig. Es wird das Beste aus dieser Unterbrechung gemacht: Jacken werden ausgezogen, Bananen gegessen und Fotos geschossen. Der Ärger über die Zwangspause verfliegt allerdings nach wenigen Metern: Die Fahrt durch den zwei Kilometer langen Rheinufertunnel steht an. Normalerweise ist der 1993 eröffnete Tunnel für Radfahrer tabu, doch heute gehört er für ein paar Minuten den Radfahrerinnen und Radfahren, die die Fahrt sichtlich genießen. s2Es wird gejubelt, geklingelt und die Musikanlagen an ihre Grenzen gebracht. Im Tunnel steht auch eine Sambatruppe, die ebenfalls den Tunnel beschallt. Es entsteht ein Mash-Up aus Samba, Ska, Funk, Fahrradklingeln und Freudenschreien. Wir passieren die Rheinuferpromenade und die Kaiserstraße. Als nächstes steht die Fahrt durch den Kö-Bogen-Tunnel (der auch mit einem Zeichen 254 versehen wurde) auf dem Programm. Ich wundere mich, dass bei dem dreispurigen Tunnel kein Platz für einen Radweg eingeräumt wurde. So sieht also nachhaltige Verkehrsplanung in der Landeshauptstadt aus. Nach wenigen Metern erreichen wir die Königsallee. Auf der aufgestellten Bühne spielt eine Band. Hier endet, bei gutem Essen und netten Gesprächen mit Freunden aus ganz NRW, mein persönliches Sternfahrterlebnis. Und was für ein Erlebnis: 7.500 Teilnehmer sprechen eine deutliche Sprache! Nun ist die Politik am Zug, sich den Forderungen der Sternfahrt anzunehmen! Wie im letzten Jahr gilt mein Dank allen, die diese tolle Fahrt möglich gemacht haben. Die nächste Sternfahrt in NRW steht schon auf dem Programm. Am 15. Juni 2014 findet die nächste Sternfahrt nach Dortmund statt. Von Wuppertal fährt ein Zubringer von der Kluse in die Ruhrmetropole. Startzeit ist dort um 9:00 Uhr. Außerdem findet am selben Tag auch die Kölner Sternfahrt statt.

11 Kommentare

  1. Die Aktion mit dem BMW-Fahrer wäre aber völlig vermeidbar gewesen. Ich stand direkt daneben und konnte nur zusehen, wie einige am Ende der Gruppe mit Absicht große Lücken nach vorne ließen, um die Einfahrt zu blockieren, in der der Autofahrer wartete. Hätten alle ganz normal (wie sonst auch immer) zum Rest der Gruppe aufgeschlossen, wäre die Einfahrt frei gewesen.

    Das war genau der Punkt des Autofahrers und in dieser Situation muss ich ihm Recht geben (abgesehen von seinen letzten Kommentaren). An den Gesichtern der Gäste im Restaurant daneben konnte ich ablesen, dass sie die Situation ähnlich wie ich sahen. So machen wir uns als Radfahrer nicht wirklich beliebt. Mit gutem Recht nehmen wir §27 StVO in Anspruch, dann sollten wir aber auch nicht selbst gegen §1 StVO verstoßen.

    Ich finde es auf jeden Fall auch als Radfahrer sehr unangenehm, wenn vermeidbare Konflikte durch absichtige Belästigung heraufbeschworen werden. Das gilt übrigens auch für den Kreisverkehr während der Critical Mass, an der ich in Wuppertal nun dreimal teilgenommen habe. Wenn wir keine Demonstration sind, sondern nur Verkehrsteilnehmer, würde ich mir wünschen, dass §1 StVO etwas mehr Beachtung findet. Wenn wir uns grundsätzlich vorbildlich verhalten, wird das mit allgemeiner Anerkennung in der Gesellschaft viel schneller funktionieren.

    1. Ich habe die Situation anders wahrgenommen, vielleicht wäre der BMW-Fahrer auch erfolgreicher gewesen, wenn er nicht direkt die Hupe betätigt hätte. Egal, die ganze Szene dauerte höchstens zwei Minuten, von daher würde ich das unter ‚lustige Anekdote‘ verbuchen.

  2. Der BMW ist mir völlig entgangen. Meine Frau und ich haben uns kurzfristig entschlossen das Tandem zu nehmen und mitzufahren. Wir haben den Tag einfach nur genossen.
    Es war einfach ein gigantisches Erlebnis in Düsseldorf mit so vielen Radfahrern gemeinsam zu fahren.
    Negativ ist mir nur ein gelber Golf, der uns auf der Nathrather Str. entgegen kam. Dieser fuhr mit sehr hoher Geschwindigkeit in die Tempo 30 Zone und ich habe schon mit einen Unfall gerechnet.
    Schöne Aktion!

    1. Gigantisch trifft’s wirklich gut! Bei dem Golf, da war ich glaube ich neben euch, hab ich auch gedacht: ‚Au weia, das geht ja schon gut los‘, zum Glück war das der einzige gefährliche Zwischenfall auf der Fahrt.

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