Das war 2014 – Der talradler.de-Jahresrückblick

Ein spannendes Fahrradjahr liegt hinter uns. Am letzten Tag des Jahres wird es Zeit, auf die Tops und Flops 2014 zurückzuschauen. Hier meine persönliche Top 5:

1. Nordbahntrasse

Nach vielen Jahren Bauzeit ist die Wuppertaler Nordbahntrasse endlich eröffnet und durchgängig befahrbar. Im innerstädtischen Bereich ist die Trasse sogar radschnellwegartig ausgebaut. Auf 23 Kilometern zieht sich die Trasse durch die Stadt und verbindet die Innenstädte von Vohwinkel, Elberfeld und Barmen miteinander.

2. Critical Mass

Mit bis zu 383 Radfahrerinnen und Radfahrer durch die Stadt fahren. Das ist Critical Mass in Wuppertal. In diesem Jahr erlebte die Bewegung einen Zulauf wie nie zuvor. Im Oktober war die Wuppertaler Critical Mass sogar die größte Fahrt in Nordrhein-Westfalen. Auf die Größe kommt es aber bei Critical Mass gar nicht in erster Linie an, für mich ist es vor allem die gute Stimmung unter den Teilnehmern, die diese Fahrten so besonders machen.

3. Freigegebene Einbahnstraßen

Überall im Stadtgebiet sind inzwischen Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben worden.

Überall im Stadtgebiet sind inzwischen Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben worden.


In Wuppertal sind nun über 120 für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben. In Wohngebieten ist der gegenläufige Radverkehr in Einbahnstraßen inzwischen Alltag. Gerade in Wohngebieten in Hanglage können so Steigungen vermieden und der Umstieg auf das Rad erleichtert werden.

4. Neugestaltete Kreuzungen

Sehr komfortabel: Der Linksabbieger-Radweg auf der Düsseldorfer Straße wird nach der Ampel weitergeführt.

Sehr komfortabel: Der Linksabbieger-Radweg auf der Düsseldorfer Straße wird nach der Ampel weitergeführt.

In diesem Jahr wurden die Kreuzungen Kohlenstraße/Höfen und Varresbecker Straße/Düsseldorfer Straße umfassend saniert. Damit einhergehend wurde auch der Verkehrsraum neu aufgeteilt. Für den Radverkehr wurden eigene Radstreifen und Abbiegespuren eingerichtet.

5. Kommunalwahlprogramme der Wuppertaler Parteien

Zur Kommunalwahl haben viele Parteien den Radverkehr in ihr Programm aufgenommen.

Zur Kommunalwahl haben viele Parteien den Radverkehr in ihr Programm aufgenommen.

Zur Kommunalwahl habe ich mir die Programme der Wuppertaler Parteien (Teil 1, Teil 2, Teil 3) angeschaut. Viele Parteien haben die Förderung des Radverkehrs in ihre Programme aufgenommen.


Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten: Hier die fünf Radverkehrsthemen, die mich dieses Jahr am meisten gestört haben:


1. Nicht-Freigegebene Einbahnstraßen in Cronenberg

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Die Karl-Greis-Straße bleibt leider für den gegenläufigen Radverkehr geschlossen.

In Cronenberg scheinen die Uhren anders zu ticken. Dort werden durch die Bezirksvertretung nur wenige Straßen für den Radverkehr freigegeben. Traurigstes Beispiel ist die Karl-Greis-Straße. Die Wuppertaler Verwaltung, die Polizei (sowohl in Barmen und vor Ort) und die Bezirksregierung in Düsseldorf sehen keine Hindernisse für eine Öffnung, doch die lokale Politik, mit Ausnahme der Grünen, verhindern konsequent eine Öffnung.

2. Nicht-freigegebene Busspuren

Die Busspur auf der B7 ist inzwischen freigegeben worden, allerdings fehlt die Freigabe auf zahlreichen Busspuren.

Die Busspur auf der B7 ist inzwischen freigegeben worden, allerdings fehlt die Freigabe auf zahlreichen Busspuren.

Eigentlich ist es ganz einfach. In der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung heißt es zum Verkehrszeichen 245 (Bussonderfahrstreifen) unter Punkt II, Absatz 4: „müsste der Radverkehr zwischen Linienbus- und dem Individualverkehr ohne Radfahrstreifen fahren, ist von der Anordnung des Zeichens abzusehen.“ Eine Busspur darf also nur eingerichtet werden, wenn der Radverkehr zugelassen wird, oder über eine eigene Infrastruktur verfügt. Auf der Gathe ist dieses leider nicht der Fall. Wer über z.B. die Gathe auf die Nordbahntrasse will, muss zwischen dem Bussverkehr und dem Individualverkehr fahren und dort aufpassen, der er/sie nicht unter die Räder kommt. Für alle beteiligte ist die aktuelle Lösung die denkbar schlechteste.

3. Hardtufer

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Eigentlich müssten hier 1,5 Meter Abstand gehalten werden.

Was bin ich froh, dass hier nicht mehr herfahren muss. Hier ist das gefährdenden Überholen leider an der Tagesordnung. Mit voller Geschwindigkeit und einem Seitenabstand im geringen Zentimeter-Bereich wird hier an Radfahrenden vorbeigefahren. 

4. Fehlende Baustellenumleitungen/Sicherungen

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Stände das Schild 3 Meter weiter, dürfte man noch legal links abbiegen.

Bei kurzfristigen Baustellen wird der Radverkehr kaum berücksichtigt, wie zuletzt in der Luisenstraße. Umleitungen werden meist gar nicht eingerichtet. Hier ist noch deutlich Luft nach oben.

5. Radverkehrsführung Döppersberg-Umbau

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Die Beschilderung am Hofkamp sorgte für Kopfschütteln, auch über die Stadtgrenzen hinaus.

Obwohl das Radnetz der Stadt schon immer einen großen Bogen um den Döppersberg gemacht hat, leidet der Radverkehr ebenfalls unter dessen Sperrung. Die Südstraße wurde zur Busspur ohne Radfreigabe umgebaut. Der anschließende Wall ist wiederum für Radfahrende freigegeben. Hier fehlt ledig eine Freigabe von 100-150 Meter. Immerhin: Eine Durchfahrt durch den Busbahnhof und die Aue, sowie über eine Route durch die Fussgängerzone ist möglich. Somit ist das Rad zur Zeit die beste Möglichkeit durch Elberfeld zu kommen. Ärgerlich bleibt die fehlende Freigabe der Südstraße und abmontierte Ampel am Hofkamp, vor allem weil hier eine Umleitung über die Robertstraße denkbar wäre. Aus diesen beiden Gründen landet die Verkehrsführung auf Platz 5 der Flop 5.

Insgesamt war 2014 ein gutes Jahr für den Radverkehr in Wuppertal. Gerade die Öffnung der Nordbahntrasse wird den Radverkehr in Wuppertal signifikant steigen lassen. Dieses konnte man in 2014 schon gut beobachten: Das Fahrrad gehört auch in Wuppertal inzwischen zum Stadtbild. 

2 Kommentare

  1. Da ist der Dortmunder neidisch

    Positives:
    1.) Nordbahntrasse vs. Ablehnung des RS1 in der Dortmunder Lokalpolitik auf breiter Basis
    2.) CM erfolgreich vs. CM dümpelt vor sich hin
    3.) Freigabe Einbahnstraßen vs. Verwaltung verzögert das trotz politischem Auftrag
    4.) Fahrradfreundliche Umbauten vs. Emil-Figge-Straße mit neugebauten, regelwidrigen Radwegen
    5.) Fahrradförderung im Kommunalwahlprogramm vs. Sonntagsreden zur Förderung des Freizeitradverehrs

    Negatives:
    1.) Nicht freigegebene Einbahnstraßen: s. o. – haben wir auch
    2.) Busspuren haben wir fast keine
    3.) Zu dichtes Überholen im ganzen Stadtgebiet Standard
    4.) Radfahrer werden i. d. R. auch in DO bei Baustellen vergessen oder absurd behandelt
    5.) Radverkehrsquerung der City wird seit Jahren systematisch dauerhaft eingeschränkt

    Grüße aus dem AGFS-Mitglied 😉

  2. Der größte Flop ist, dass kein Geld und kein Personal der Stadt für den Radverkehr eingeplant ist. Irgendwann müsste man mal anfangen damit, denn vom Budget bis zur Fertigstellung ist es ein weiter Weg
    Weg. Dass es sich lohnt, irgendwann den ersten Schritt zu machen, sollte das Beispiel NBT ja eigentlich auch den größten Skeptikern gezeigt haben.

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